Wie geht Smalltalk?

5 Techniken für Business-Gespräche
„Wie geht Smalltalk?“ Diese Frage höre ich in fast jedem meiner Kommunikations-Seminare, und sie kommt selten von Menschen, die nichts zu sagen hätten. Sie kommt von Fachleuten und Führungskräften, die in der Sache absolut sicher sind und trotzdem ins Stocken geraten, sobald am Buffet jemand Fremdes neben ihnen steht. Smalltalk ist kein Talent, das man hat oder nicht hat, sondern ein Handwerk, das sich trainieren lässt. Für das Magazin News habe ich dazu einen Beitrag verfasst. Hier lesen Sie die erweiterte und aktualisierte Fassung.
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Was ist Smalltalk und wozu dient er im Business?
Der Ethnologe Bronisław Malinowski (London School of Economics) prägte 1923 den Begriff „phatic communion“ für Sprache, die vor allem Verbundenheit herstellt und weniger Informationen transportiert. Genau das leistet Smalltalk im Berufsleben: Er baut das Vertrauen auf, auf dem später sachliche Gespräche aufsetzen. Wer Smalltalk als Zeitverschwendung abtut, unterschätzt seine Funktion als Beziehungsstarter.
Wie schnell solche Gespräche laufen, zeigt eine Studie von Tanya Stivers, Stephen C. Levinson und Kolleginnen und Kollegen (u. a. Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, Nijmegen; PNAS, 2009): Über zehn Sprachen hinweg liegt die Pause zwischen zwei Sprecherwechseln im Schnitt bei rund 200 Millisekunden. Wer sich seine Antwort erst zurechtlegen muss, kommt zu spät. Deshalb hilft Vorbereitung mehr als Spontaneität.
Tipp 1: Wie gelingt ein guter Einstieg ins Gespräch?
Der erste Satz entscheidet, ob ein Gespräch entsteht oder nur ein höfliches Nicken. Starten Sie mit einer offenen Frage, die sich nicht mit Ja oder Nein beantworten lässt und einen Bezug zur Situation hat. Das Wetter ist die Notlösung, der Kontext ist die bessere Wahl. Bewährt haben sich:
- „Was hat Sie heute hierher geführt?“
- „Welcher Programmpunkt war für Sie bisher der interessanteste?“
- „Woran arbeiten Sie gerade, das Sie wirklich beschäftigt?“
Legen Sie sich vor jeder Veranstaltung drei solcher Fragen zurecht. Damit haben Sie die 200 Millisekunden im Griff.
Tipp 2: Warum sind Nachfragen wichtiger als eigene Geschichten?
Aktives Zuhören zeigt sich beim Smalltalk an einer einzigen Stelle: an der Nachfrage. Alison Wood Brooks (Harvard Business School) und Kolleginnen und Kollegen konnten zeigen, dass Menschen, die in Gesprächen mehr Fragen stellen, insbesondere Anschlussfragen, als sympathischer wahrgenommen werden (Journal of Personality and Social Psychology, 2017).
Ihre Praxisregel: Greifen Sie ein Schlüsselwort aus der Antwort auf und fragen Sie dazu weiter, bevor Sie selbst etwas erzählen. Aus „Ich komme gerade aus Lissabon“ wird „Was hat Sie dort beruflich hingeführt?“ und nicht „Ich war auch schon mal dort“. Dazu gehört volle Aufmerksamkeit, das Handy bleibt in der Tasche.
Tipp 3: Welche Themen eignen sich für Smalltalk?
Sicher sind Anreise, Veranstaltung, Reisen, Hobbys und aktuelle Ereignisse ohne Konfliktpotenzial. Politik und Religion lassen Sie zunächst außen vor, solange Sie Ihr Gegenüber nicht kennen. Bleiben Sie aber nicht ewig an der Oberfläche. Nicholas Epley (University of Chicago Booth School of Business) hat gemeinsam mit Michael Kardas und Amit Kumar gezeigt, dass Menschen tiefere Gespräche mit Fremden für unangenehmer halten, als sie tatsächlich sind (Journal of Personality and Social Psychology, 2022).
Nutzen Sie deshalb eine Themen-Treppe:
- Stufe 1, Situation: Anreise, Veranstaltung, Ort
- Stufe 2, Erfahrung: „Was war Ihr prägendster Moment in diesem Projekt?“
- Stufe 3, Haltung: „Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit besonders wichtig geworden?“
Steigen Sie nur eine Stufe höher, wenn Ihr Gegenüber Resonanz zeigt.
Tipp 4: Welche Rolle spielt die Körpersprache?
Ihre Körpersprache entscheidet, ob Ihr Gegenüber sich angesprochen oder abgefertigt fühlt. Drehen Sie Ihren Oberkörper zur Person, halten Sie Blickkontakt, ohne zu starren, und lassen Sie Ihre Schultern und Hände offen. Ein echtes Lächeln beim Einstieg wirkt stärker als jede Formulierung. Wenn Sie zu einer Gruppe dazustoßen, warten Sie auf eine Gesprächspause, treten Sie in den Kreis und zeigen Sie zuerst Interesse, bevor Sie etwas beitragen.
Tipp 5: Wie üben Sie Smalltalk im Alltag?
Übung macht den Meister, aber nur mit einem klaren Auftrag. Setzen Sie sich ein Mini-Ziel: pro Veranstaltung drei Gespräche mit Menschen, die Sie nicht kennen, oder pro Woche ein Gespräch im Aufzug, im Café oder in der Kaffeeküche. Notieren Sie danach eine Sache, die gut funktioniert hat. Selbstbewusstsein entsteht aus wiederholter Erfahrung, nicht aus Vorsätzen.
Bonus: Wie beenden Sie Smalltalk elegant?
Der Abschluss wird am häufigsten vergessen und bleibt dem Gegenüber am stärksten im Gedächtnis. Fassen Sie kurz einen Gedanken des Gesprächs zusammen, bedanken Sie sich und nennen Sie den nächsten Schritt: „Danke für den Tipp zu Lissabon, ich schicke Ihnen den Artikel gerne zu. Ich schaue jetzt noch kurz bei den Kolleginnen vorbei.“ Damit bleiben Sie positiv im Gedächtnis.
Häufige Fragen zu Smalltalk
Was tue ich, wenn mir mitten im Gespräch nichts mehr einfällt?
Greifen Sie auf die letzte Aussage Ihres Gegenübers zurück und fragen Sie nach: „Wie kam es dazu?“ oder „Was hat Sie daran überrascht?“ Eine ehrliche Nachfrage ist immer besser als ein Themenwechsel aus Verlegenheit.
Wie lange sollte Smalltalk dauern?
Bei Veranstaltungen sind drei bis zehn Minuten pro Gespräch üblich. Entscheidend ist, dass Sie den Abschluss aktiv gestalten und nicht warten, bis das Gespräch versandet.
Ist Smalltalk in Führungspositionen anders?
Ja, denn hier kommen Statusdynamik und Erwartungen hinzu. Mehr dazu lesen Sie in meinem BeitragSmalltalk für Führungskräfte.
Quellen
- Malinowski, B. (1923): The Problem of Meaning in Primitive Languages. In: Ogden, C. K. & Richards, I. A.: The Meaning of Meaning. London.
- Stivers, T. et al. (2009): Universals and cultural variation in turn-taking in conversation. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
- Huang, K., Yeomans, M., Brooks, A. W., Minson, J., Gino, F. (2017): It doesn’t hurt to ask: Question-asking increases liking. Journal of Personality and Social Psychology.
- Kardas, M., Kumar, A., Epley, N. (2022): Overly shallow? Miscalibrated expectations create a barrier to deeper conversation. Journal of Personality and Social Psychology.
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