Heute ist für viele Kinder wieder Schulbeginn. Manche von uns erinnern sich nicht so gerne an die Schulzeit. Aus unterschiedlichen Gründen. Einer dieser Gründe ist der Umgang mit Fehlern, den unser Schulsystem praktiziert. Fehler und Schwächen sind in unserer Gesellschaft ein Ausdruck von Scheitern. Jeder Fehler wird rot markiert und je mehr Fehler ein Kind macht, desto schlechter werden die Noten. Sehr oft überwiegen zwischen Lehrer und Schüler die Gespräche über die Fehler, anstatt auch die positiven Aspekte einer Arbeit oder die Stärken einer Person hervorzuheben oder das Scheitern als Teil eines Lernprozesses am Weg zum Ziel zu betrachten. Daher steht in der Schule die Fehlervermeidung im Vordergrund. Diese Taktik ist schädlich, denn unser Gehirn lernt aus Fehlern. Wer versucht, Fehler zu vermeiden, traut sich weniger zu, verliert sowohl an Selbstbewusstsein und als auch an Eigeninitiative, Neues auszuprobieren.

Aus Fehlern wird man klug, heißt es so schön. Wir alle können lernen, mit Fehlern positiv umzugehen, anstatt bei jeder kleinsten Kleinigkeit gleich die Katastrophe auszurufen. Eine positive Fehlerkultur bedeutet zunächst die Akzeptanz des Fehlers. Fehler sind nichts, wofür man sich schämen muss. Der Fehler ist ein Appell, etwas besser zu machen oder zu verbessern. Wir können den Fehler als Teil eines Weges betrachten, der zum Ziel führt. Entlang dieses Weges haben wir verschiedene Aufgaben zu erledigen, die wir weiter verbessern und optimieren können. So machen es auch die Japaner mit ihrer Kaizen-Philosophie. Kaizen ist eine Denkweise, es ist die grundlegende Einstellung jedes Mitarbeiters zu seiner Arbeit und wer Kaizen lebt, ist felsenfest davon überzeugt, dass es immer etwas zu verbessern, zu vereinfachen oder zu optimieren gibt.

Weiters betrachtet eine positive Fehlerkultur Fehlbarkeit mit der nötigen Sachlichkeit und trennt zwischen Person und Sache. Niemand ist perfekt, daher können Fehler passieren. Es geht nicht darum, wer den Fehler gemacht hat, sondern wie es zu einem Fehler gekommen ist. Und um das Bewusstsein, dass aus Irrtümern und Fehlern neue Ideen und Entwicklungen entstehen können.

Merkmale einer positiven Fehlerkultur

  • Offener Umgang mit Fehlern
  • Respekt für Fehlereingeständnisse
  • Fokus auf Sachebene und Zukunft

Zur positiven Fehlerkultur gehört auch eine entsprechende Feedback-Kultur und Kommunikation. Durch eine offene, sanktionsfreie Kommunikation werden Mitarbeiter animiert, Fehler zuzugeben, was wiederum die Chance auf eine zeitnahe Behebung des Schadens erhöht bzw den monetären Schaden begrenzt. Eine positive Fehler- und Feedback-Kultur erhöht auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter, fördert deren Weiterentwicklung und steigert die Motivation. Zudem ist das Totschweigen von Fehlern ein regelrechter Bremser, es hemmt Weiterentwicklung, es verhindert Lösungen und Innovationen. Nur wer fehlbar ist, entwickelt sich weiter!

Für Führungskräfte bedeutet das zunächst einmal Selbst-Reflexion. Wer als Vorbild vorangehen möchte, muss seinen Kommunikations-Stil und seine eigene Fehlerkultur überdenken. Kritisches Hinterfragen des eigenen Handelns sind die Grundlagen für den erfolgreichen Umgang mit Misserfolgen. Wer mit einer positiven Einstellung zur Fehlerkultur vorangeht und mit Fehlern konstruktiv umgeht, läuft auch nicht Gefahr, dass sich die Mitarbeiter hinter Rechtfertigungen verstecken oder Fehler vertuschen wollen. Eine wertschätzende Kommunikation und ein lösungsorientiertes Handeln ersetzen in der positiven Fehlerkultur Vorwürfe und emotionale Reaktionen. Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler eingesteht, sollte man das als Vorgesetzter wertschätzend anerkennen und gemeinsam Strategien entwickeln, damit künftig solche Fehler vermieden werden können. Gemäss dem Motto von Henry Ford:

Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen!