Positive Fehlerkultur entwickeln: Was Führungskräfte sagen müssen, wenn etwas schiefgeht

Eine positive Fehlerkultur entwickeln

Veröffentlicht am 22. August 2022 · Überarbeitet am 28. Oktober 2026

Kurz beantwortet

Eine positive Fehlerkultur bedeutet, dass Fehler früh gemeldet, offen besprochen und schnell korrigiert werden. Sie ist kein Freibrief für Nachlässigkeit. Ob sie entsteht, entscheidet sich an der Reaktion der Führungskraft in dem Moment, in dem jemand einen Fehler meldet.

Jedes Unternehmen hat eine Fehlerkultur. Die Frage ist nur, welche. In vielen Organisationen steht „Fehler sind Lernchancen“ im Leitbild, während im Alltag gilt: Wer einen Fehler meldet, hat ein Problem. Die Folge ist vorhersehbar. Fehler werden versteckt, bis sie zu groß sind, um sie zu verstecken.

Das beginnt früh. In der Schule wird jeder Fehler rot markiert. Viele Erwachsene haben deshalb gelernt, dass ein Fehler vor allem ein Makel ist, den man besser nicht zeigt.

Was die Forschung zeigt

Forschende aus Amsterdam und Gießen haben über hundert Unternehmen in den Niederlanden und Deutschland untersucht. Wo Fehler offen angesprochen und schnell korrigiert werden, erreichen Unternehmen ihre Ziele besser und sind wirtschaftlich erfolgreicher. Fehler zu feiern ist damit nicht gemeint, sondern professionell mit ihnen umzugehen.

Eine Harvard-Professorin stieß in Krankenhausteams auf einen scheinbaren Widerspruch: Die besser geführten Teams meldeten mehr Fehler. Sie machten nicht mehr Fehler, sie sprachen öfter darüber. Die Voraussetzung dafür nennt man psychologische Sicherheit: die Überzeugung, im Team ein Risiko eingehen zu können, ohne bloßgestellt zu werden.

Die ersten zehn Sekunden

Fehlerkultur entsteht nicht im Workshop. Sie entsteht in dem Moment, in dem jemand sagt: „Mir ist da etwas passiert.“ Was die Führungskraft dann sagt und wie sie schaut, merkt sich das ganze Team.

Sätze, die Fehlerkultur zerstören:

  • „Wie konnte das passieren?“
  • „Wer war das?“
  • „Das darf nicht noch einmal vorkommen.“

Sätze, die Fehlerkultur aufbauen:

  • „Danke, dass Sie das gleich sagen.“
  • „Was brauchen wir jetzt, um den Schaden zu begrenzen?“
  • „Was lernen wir daraus für das nächste Mal?“

Die Reihenfolge ist wichtig: erst danken, dann handeln, dann lernen. Die Ursachenanalyse kommt später, in Ruhe und ohne Schuldfrage.

Fünf Hebel für eine positive Fehlerkultur

  1. Eigene Fehler zuerst: Führungskräfte, die ihre eigenen Fehler offen benennen, geben die Erlaubnis für alle anderen.
  2. Melden anerkennen: Wer einen Fehler früh meldet, verhindert größeren Schaden. Das verdient Anerkennung.
  3. Fehler und Fahrlässigkeit trennen: Ein Irrtum unter Unsicherheit ist etwas anderes als bewusstes Ignorieren von Regeln.
  4. Feste Formate: kurze Rückblicke nach Projekten, eine Frage im Jour fixe: „Was ist diese Woche schiefgelaufen?“
  5. Sprache prüfen: Ironie, Seufzen und Augenrollen nach einem Fehlerbericht wirken stärker als jedes Leitbild.

Wie Sie solche Gespräche führen, lesen Sie im Beitrag Schwierige Gespräche führen als Führungskraft.

Fazit

Fehlerkultur ist Führungskommunikation. Ob Menschen Fehler melden, hängt davon ab, was sie erwarten, wenn sie es tun. Diese Erwartung prägen Führungskräfte mit jeder Reaktion. Wer im entscheidenden Moment ruhig bleibt, dankt und den Blick nach vorn richtet, baut Fehlerkultur auf.

Häufige Fragen

Was ist eine positive Fehlerkultur?

Für mich bedeutet positive Fehlerkultur: Fehler werden früh gemeldet, offen besprochen und schnell korrigiert. Nachlässigkeit entschuldigt sie nicht. Sie sorgt dafür, dass Probleme ans Licht kommen, solange sie noch klein sind.

Wie fange ich als Führungskraft an?

Meine Erfahrung zeigt: mit dem eigenen Fehler. Erzählen Sie im nächsten Teammeeting von etwas, das bei Ihnen schiefgelaufen ist, und was Sie daraus gelernt haben. Das wirkt stärker als jeder Appell.

Was ist psychologische Sicherheit?

Das Gefühl im Team, Fragen, Zweifel und Fehler ansprechen zu können, ohne bloßgestellt zu werden. Ich bin der Meinung, dass sie die wichtigste Voraussetzung für gute Zusammenarbeit ist. Und sie hängt stark davon ab, wie die Führungskraft reagiert.

Quellen
van Dyck, C., Frese, M., Baer, M. & Sonnentag, S. (2005). Organizational Error Management Culture and Its Impact on Performance: A Two-Study Replication. Journal of Applied Psychology, 90(6), 1228–1240.
Edmondson, A. C. (1996). Learning from Mistakes Is Easier Said Than Done. Journal of Applied Behavioral Science, 32(1), 5–28.
Edmondson, A. C. (1999). Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.



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