#5 Eine unbequeme Wahrheit: Wann Höflichkeit zur Führungsfalle wird

Frauen kommunizieren im Führungsalltag oft zu weich. Nicht weil sie weniger kompetent sind, sondern weil ihnen die Beziehung wichtiger ist als die Wirkung.
Typische sprachliche Muster, die ich in meinen Seminaren und Trainings immer wieder erlebe:
- „Ich würde vorschlagen …“
- „Vielleicht könnten wir …“
- „Ich weiß nicht genau, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist…
- „Das ist nur eine Idee…“
- „Ich bin mir nicht ganz sicher, doch …“
- „Vielleicht wäre es eine Option…“
Diese Weichmacher haben eine Funktion:
Sie sollen Beziehung sichern, Widerstand vermeiden, Anschluss halten. In Führungssituationen untergraben sie Autorität, Klarheit und Entscheidungskraft – selbst dann, wenn Inhalt, Erfahrung und Verantwortung eindeutig sind.
Die Forschung ist hier erstaunlich klar:
Bereits in den 1970er-Jahren beschrieb die Linguistin Robin Lakoff, dass Frauen häufiger sogenannte Hedges, Entschuldigungen und indirekte Formulierungen verwenden – insbesondere in formellen oder hierarchischen Kontexten. Später ergänzte die Kommunikationsforscherin Deborah Tannen diese Perspektive:
Frauen nutzen Sprache stärker zur Beziehungsregulation, Männer stärker zur Status- und Positionsklärung.
➡️ Eine unbequeme Wahrheit:
Aktuelle Studien aus Organisationspsychologie und Leadership-Forschung zeigen:
- Identische Aussagen werden bei Frauen als weniger durchsetzungsstark bewertet, wenn sie abgeschwächt formuliert sind.
- Klar formulierte Frauen werden schneller als dominant oder schwierig wahrgenommen.
- Klar formulierte Männer gelten hingegen als entscheidungsfreudig und führungsstark.
Die Kompetenz ist gleich.
Die Bewertung nicht. Das Problem ist also nicht die Kompetenz, sondern das kommunikative Erwartungssystem.
Ein Schlüssel zum Verständnis liegt im Unterschied zwischen horizontaler und vertikaler Kommunikation.
- Horizontale Kommunikationist beziehungsorientiert.
Sie funktioniert auf Augenhöhe, im Team, im Austausch.
Ziel: Einbindung, Konsens, Verbindung. - Vertikale Kommunikationist führungsorientiert.
Sie klärt Richtung, Verantwortung, Entscheidung.
Ziel: Orientierung, Verbindlichkeit, Fokus.
Viele Frauen – geprägt durch Sozialisation und Erwartungshaltungen – kommunizieren auch in vertikalen Kontexten horizontal.
Sie wollen mitnehmen, absichern, niemanden übergehen.
Moderne Führung braucht jedoch keine Weichzeichner,
sondern:
- klare Aussagen statt vorsichtiger Vorschläge
- Haltung statt Rechtfertigung
- Präsenz statt Absicherung
Empathie und Klarheit sind kein Widerspruch. Klarheit ist freundlich.
Unklarheit hingegen kostet Vertrauen, Zeit – und Führungskraft.
Was das mit Female Leadership zu tun hat?
Female Leadership bedeutet nicht, männliche Kommunikationsmuster zu kopieren.
Es bedeutet, die eigene Wirkung bewusst zu steuern.
Nicht leiser. Nicht härter. Sondern klarer.
Genau daran arbeiten wir in meinem neuen Seminar Unübersehbar:
an klarer Sprache, innerer Haltung und sichtbarer Präsenz –
für Frauen in Verantwortung, die führen wollen, ohne sich zu verbiegen.
📅 Nächster Termin: 21. Mai 2026
Fokus: Female Leadership, Präsenz und Führungskommunikation
Reflexionsfrage
Wo verzichten Sie in Ihrer Führungskommunikation aus Höflichkeit bewusst auf Klarheit?
