Executive Presence: Was wirklich hilft – Angela Pengl-Böhm

Veröffentlicht im Oktober 2026

Kurz beantwortet

Executive Presence entsteht aus drei Dingen: Haltung unter Druck, klarer Kommunikation und einer Wirkung, die zu Ihrer Rolle passt. Am meisten helfen eine präzise Kernbotschaft, eine bewusst geführte Stimme, Ruhe in Pausen und Blick sowie die Balance aus Stärke und Wärme. Wenig hilft, was gerade populär ist: Posen, Auftritte nach Drehbuch, ein perfektes Outfit. Die gute Nachricht: Präsenz ist kein Talent. Sie ist trainierbar.

Was ist Executive Presence?

Executive Presence ist die Fähigkeit, in Führungssituationen so zu wirken, dass andere Ihnen Verantwortung zutrauen. Nicht erst nach Monaten der Zusammenarbeit, sondern im Meeting, im Pitch, in der Krise.

Die bekannteste empirische Annäherung stammt von Sylvia Ann Hewlett (Center for Talent Innovation, Executive Presence, 2014). Sie befragte 268 Top-Führungskräfte, was Präsenz ausmacht. Das Ergebnis:

  • Gravitas, also Haltung, Urteilskraft und Souveränität unter Druck: 67 Prozent
  • Kommunikation: 28 Prozent
  • Erscheinungsbild: 5 Prozent

Die Zahlen sind eine Gewichtung durch Führungskräfte, keine Naturgesetze. Sie zeigen aber klar, wo der Hebel liegt. Und wo nicht.

Warum reicht Kompetenz allein nicht?

Weil andere Sie nicht nach Ihrer Kompetenz beurteilen, sondern nach Ihrer Wirkung.

Andrea Abele (Universität Erlangen-Nürnberg) und Bogdan Wojciszke (Polnische Akademie der Wissenschaften) zeigten im Journal of Personality and Social Psychology (2007) eine unbequeme Asymmetrie. Uns selbst bewerten wir vor allem über Leistung und Durchsetzungskraft. Andere bewerten wir zuerst danach, ob sie uns wohlgesonnen sind.

Wer also nur an seiner Fachlichkeit feilt, optimiert auf das falsche Kriterium. Und der erste Eindruck entsteht in Sekunden. Er ist die Bühne, auf der Ihre Kompetenz überhaupt erst sichtbar wird.

Was hilft wirklich? Sechs Hebel mit Wirkung

1. Eine Kernbotschaft, die in einen Satz passt

Präsenz beginnt im Kopf, nicht auf der Bühne. Wer nicht weiß, welchen einen Satz das Gegenüber mitnehmen soll, wirkt unsicher, egal wie souverän die Körpersprache ist.

In der Praxis: Formulieren Sie vor jedem wichtigen Termin Ihre Botschaft in maximal 15 Wörtern. Sagen Sie diesen Satz am Anfang und am Ende.

2. Die Stimme als Führungsinstrument

Ihre Stimme transportiert Haltung schneller als jedes Argument. Eine variierende Stimmführung mit klaren Betonungen wirkt engagiert und überzeugt. Monotonie wirkt wie Desinteresse, auch wenn der Inhalt brillant ist.

In der Praxis: Senken Sie am Satzende die Stimme, statt fragend nach oben zu gehen. Betonen Sie pro Satz ein Schlüsselwort bewusst.

3. Ruhe ist sichtbare Souveränität

Präsenz zeigt sich weniger in dem, was Sie tun, als in dem, was Sie lassen. Kein Füllwort, kein Nachschieben, kein nervöses Lächeln nach einer klaren Aussage.

In der Praxis: Halten Sie nach einer wichtigen Aussage zwei Sekunden Stille aus. Halten Sie den Blickkontakt, bis Ihr Gedanke zu Ende ist. Stehen Sie, ohne das Gewicht zu verlagern.

4. Stärke und Wärme ausbalancieren

Hier liegt der häufigste Fehler, besonders bei Fach- und Führungskräften, die in Strukturen aufgestiegen sind, in denen Kompetenz alles war. Wärme wird zuerst geprüft. Wer nur Stärke zeigt, wirkt kalt. Wer nur Wärme zeigt, wirkt nicht führungsfähig.

In der Praxis: Beginnen Sie schwierige Gespräche mit einem echten Bezug zum Gegenüber, bevor Sie zur Sache kommen. Nicht als Technik, sondern als Haltung. Wertschätzung ist Haltung, nicht Höflichkeit.

5. Haltung unter Druck

Gravitas, das Gewichtigste in Hewletts Studie, zeigt sich nicht im Normalbetrieb. Sie zeigt sich, wenn eine kritische Frage kommt, ein Projekt kippt oder die Presse anruft. Entscheidend ist dann nicht die perfekte Antwort, sondern die Fähigkeit, ruhig zu bleiben und eine Position zu beziehen.

In der Praxis: Bereiten Sie für jeden wichtigen Termin die drei unangenehmsten Fragen vor. Und eine Antwort, die mit einer klaren Position beginnt.

6. Training statt Talent

Der wichtigste Befund kommt aus der Schweiz. John Antonakis (Université de Lausanne) untersuchte mit Kolleg:innen, ob sich Charisma lehren lässt (Academy of Management Learning & Education, 2011). Die Antwort: ja. Führungskräfte, die gezielt rhetorische und nonverbale Techniken trainierten, wurden danach von ihrem Umfeld als deutlich charismatischer und führungsstärker eingeschätzt als vorher.

Präsenz ist also keine Persönlichkeitseigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie ist ein Bündel von Fähigkeiten.

Was hilft weniger, als behauptet wird?

Power Posing. Die Idee, zwei Minuten in einer „Siegerpose“ zu stehen, um Hormone und Risikobereitschaft zu verändern, hat einen Replikationstest nicht bestanden. Eva Ranehill (Universität Zürich) und Kolleg:innen fanden in einer deutlich größeren Stichprobe keine Effekte auf Hormone oder Verhalten (Psychological Science, 2015). Was blieb: Die Menschen fühlten sich etwas mächtiger. Das ist nicht nichts, aber auch keine Strategie.

Auftritte nach Drehbuch. Wer jede Geste plant, wirkt einstudiert. Präsenz braucht Spielraum.

Das perfekte Outfit. Es ist Voraussetzung, nicht Hebel. Fünf Prozent in Hewletts Gewichtung. Ein unpassendes Erscheinungsbild kann schaden, ein perfektes ersetzt keine Haltung.

Wie entwickle ich Executive Presence konkret?

Mit einem Vorgehen, das Wirkung sichtbar macht und dann gezielt verändert:

  1. Standortbestimmung: Wie wirken Sie heute? Fremdbild vor Selbstbild, idealerweise mit Video und ehrlichem Feedback.
  2. Fokus: Ein bis zwei Hebel auswählen, nicht sechs auf einmal.
  3. Training unter realen Bedingungen: an Ihren echten Terminen, nicht an Übungsszenarien.
  4. Verankerung: Routinen vor wichtigen Auftritten, bis Souveränität zur zweiten Natur wird.

In meiner Arbeit mit Führungskräften nutze ich dafür die PARIS-Methode: P Präsenz, A Authentizität, R Relevanz, I Information & Interaktion, S Souveränität. Sie macht Wirkung beschreibbar und damit trainierbar.

Fazit

Executive Presence ist keine Frage des Charismas, mit dem man geboren wird. Sie entsteht dort, wo Klarheit, Stimme, Ruhe und Haltung zusammenkommen, und genau dort lässt sie sich gezielt aufbauen. Je digitaler und schneller Führung wird, desto mehr entscheidet die Wirkung im entscheidenden Moment.

Häufige Fragen

Was bedeutet Executive Presence?

Die Fähigkeit, in Führungssituationen so zu wirken, dass andere Ihnen Verantwortung zutrauen. Sie setzt sich aus Haltung unter Druck, klarer Kommunikation und einem stimmigen Erscheinungsbild zusammen.

Kann man Executive Presence lernen?

Ja. Studien wie die von John Antonakis (Université de Lausanne) zeigen, dass gezieltes Training die Wirkung von Führungskräften messbar verbessert.

Hilft Power Posing für mehr Präsenz?

Kaum. Eine große Replikationsstudie der Universität Zürich fand keine Effekte auf Hormone oder Verhalten, nur auf das subjektive Machtgefühl.

Wie lange dauert es, Executive Presence aufzubauen?

Erste Veränderungen werden bereits nach ein bis zwei Coaching-Sitzungen sichtbar. Nachhaltig wird Präsenz durch Training an realen Situationen über mehrere Wochen.

Ist Executive Presence nur etwas für das Top-Management?

Nein. Sie wird gerade beim Übergang in eine neue Führungsrolle entscheidend, bei Fach- und Nachwuchsführungskräften ebenso wie im Vorstand.



Nächster Schritt

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Kurz beantwortet

Als Führungskraft präsentieren heißt, ein Publikum zu führen, nicht nur zu informieren. Am meisten wirken ein starker Einstieg statt Ihres Namens, bewusste Pausen, echte Geschichten, maximal drei Kernbotschaften und ein klarer Schlussimpuls. Wirkung ist dabei kein Talent, sondern eine Entscheidung.

Executive Presence beginnt vor dem ersten Satz

Wer als Führungskraft vor Menschen spricht, steht immer unter Beobachtung. Nicht nur das, was Sie sagen, wird bewertet — sondern wie Sie es sagen. Ihre Haltung. Ihre Energie. Ihr Mut zur Pause.

Das ist Executive Presence in der Praxis.

Fachwissen ist selbstverständlich. Charts und Folien kann jede:r aufbereiten. Was Führungskräfte wirklich unterscheidet, ist die Fähigkeit, ein Publikum zu führen — emotional wie rational. Nicht zu informieren, sondern zu bewegen.

Diese 10 Techniken zeigen Ihnen, wie das gelingt.

1. Beginnen Sie mit Wirkung — nicht mit Ihrem Namen

Der erste Eindruck entscheidet. Eine provokante These, eine überraschende Frage, ein persönliches Erlebnis — das erzeugt sofortige Aufmerksamkeit. „Ähm, also, mein Name ist…“ tut es nicht.

2. Nutzen Sie die Macht der Pause

Pausen sind das stärkste rhetorische Stilmittel — und das am häufigsten unterschätzte. Wer am Beginn schweigen kann, zeigt Souveränität. Wer mitten im Satz inne hält, erzeugt Spannung. Ankommen. Durchatmen. Blick ins Publikum. Erst dann sprechen.

3. Erzählen Sie Geschichten — echt und ohne Pathos

Fakten informieren. Geschichten verbinden. Teilen Sie echte Erlebnisse, Aha-Momente, Herausforderungen. Authentizität erzeugt Vertrauen — das Fundament jeder Führungswirkung.

4. Drei Kernbotschaften. Nicht mehr.

Mehr überfordert. Weniger bleibt. Drei ist keine Zufallszahl — die Dreier-Struktur hat sich seit der Antike bewährt. Einleitung, drei Argumente, starker Schluss. Was beim letzten Satz hängen bleibt, bleibt.

5. Starten Sie mit dem WHY

Informationen ohne Relevanz verpuffen. Machen Sie von Beginn an klar, warum Ihre Botschaft wichtig ist — für Ihr Publikum, nicht für Sie. Relevanz ist der Schlüssel zur Aufmerksamkeit.

6. Machen Sie Abstraktes greifbar

Vergleiche, Metaphern, Bilder — sie erzeugen Verständnis dort, wo Zahlen versagen. Führungskräfte, die komplex denken und einfach sprechen können, sind selten. Und dadurch wirkungsvoll.

7. Körpersprache ist Führung

Haltung, Blickkontakt, Gestik — nonverbale Kommunikation ist kein Beiwerk. Sie ist die eigentliche Botschaft. Executive Presence ist nicht nur, was Sie sagen. Es ist, wie Sie den Raum füllen.

8. Interagieren Sie mit dem Publikum

Stellen Sie Fragen. Holen Sie Reaktionen. Lassen Sie mitdenken. Wer sein Publikum aktiviert, verliert es nicht. Und schafft echte Verbindung statt Frontalvortrag.

9. Visuals unterstützen — sie ersetzen Sie nicht

Textwüsten auf Folien signalisieren: Ich habe meinen Vortrag nicht durchdacht. Arbeiten Sie mit Bildern, Metaphern, klaren Grafiken. Oder lassen Sie die Präsentation weg und zeichnen live am Flipchart. Mutig. Wirkungsvoll. Unvergesslich.

10. Schließen Sie mit einem starken Impuls

Nicht „Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“ Sondern: Was soll Ihr Publikum jetzt denken, fühlen oder tun? Der letzte Satz ist Ihre letzte Chance auf Wirkung. Nutzen Sie sie.

Wirkung ist kein Talent. Es ist eine Entscheidung.

Executive Presence in der Präsentation entsteht nicht durch Perfektion — sondern durch Haltung, Klarheit und den Mut, wirklich präsent zu sein.

Wenn Sie als Führungskraft nicht nur präsentieren, sondern nachhaltig wirken wollen: In einem individuellen 1:1 Coaching analysieren wir Ihren Auftritt, schärfen Ihre Botschaft — und arbeiten gezielt an dem, was Sie von anderen unterscheidet.


Nächster Schritt

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Im Präsentations-Coaching arbeiten wir an Ihrer Botschaft, Ihrer Präsenz und Ihrem Auftritt – mit Videoanalyse und direktem Feedback. Oder Sie starten sofort mit dem Onlinekurs.

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Selbstwirksamkeit und Executive Presence

Kurz beantwortet

Selbstwirksamkeit ist weder Selbstbewusstsein noch Motivation. Sie ist die innere Überzeugung, in anspruchsvollen Situationen wirksam handeln zu können: unter Druck, bei Unsicherheit, mit Verantwortung. Sie speist sich aus fünf Quellen und ist die Grundlage von Executive Presence.

Selbstwirksamkeit wird oft missverstanden

Sie ist kein Selbstbewusstsein. Keine positive Grundhaltung. Und schon gar keine Motivation auf Knopfdruck.

Selbstwirksamkeit beschreibt etwas anderes, sehr Konkretes: die innere Überzeugung, in anspruchsvollen Situationen wirksam handeln zu können – unter Druck, bei Unsicherheit, mit Verantwortung. Der Psychologe Albert#Bandurabeschreibt fünf Quellen, aus denen sich Selbstwirksamkeit speist. Ich nutze dafür gerne ein Bild:

Selbstwirksamkeit ist wie ein See, der sich aus fünf Zuflüssen füllt:

1. Eigene Erfolge – jede bewältigte Herausforderung erhöht den Wasserstand. Wirkung entsteht nicht durch Tempo, sondern durch bewusstes Innehalten nach Erfolgen.

2. Ermutigung durch andere – glaubwürdiges, differenziertes Feedback wirkt wie ein externer Zufluss.

3. Vorbilder – Menschen, die uns inspirieren, erweitern den inneren Möglichkeitsraum.

4. Konstruktiver Umgang mit Misserfolgen – Rückschläge sind kein Leck im System, sondern oft Lernpunkte mit Langzeitwirkung.

5. Imagination der Zielerreichung – iwer sich Wirksamkeit vorstellen kann, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sie auch zu zeigen.

Problematisch wird es, wenn Führungskräfte versuchen, Executive Presence zu zeigen, während ihr innerer See leer ist. Dann entsteht Vorsicht statt Klarheit, Absicherung statt Haltung, Erklärung statt Entscheidung.

➡️ Die unbequeme Wahrheit:

Executive Presence ist keine Frage des Auftritts, sondern die konsequente Folge gelebter Selbstwirksamkeit.

Dieser Blog-Beitrag ist auch in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.


Nächster Schritt

Selbstwirksamkeit gezielt stärken?

Selbstwirksamkeit ist die Basis von Executive Presence. Im Executive Presence Coaching arbeiten wir in 90 Minuten gezielt an Ihrer Botschaft, Ihrer Präsenz und Ihrem Auftritt – mit direktem Feedback und einem klaren Plan für Ihren nächsten wichtigen Moment.

Zum Weiterlesen: Das Trainingsbuch „Reden reicht nicht“ für Executive Presence und souveränen Auftritt.

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