Präsentation mit KI vorbereiten: Was möglich ist und wo es den Menschen braucht

Kurz beantwortet
KI kann bei der Vorbereitung einer Präsentation viel übernehmen: Recherche, Gliederung, Formulierungsvarianten, Folienentwürfe und die Simulation kritischer Fragen. Was KI nicht übernehmen kann, ist das, was ein Publikum überzeugt: Ihre Haltung, Ihre persönlichen Beispiele und Ihre Präsenz im Raum. Die beste Vorbereitung nutzt KI für Tempo und Struktur und investiert die gewonnene Zeit in das Üben.
Kann KI eine Präsentation vorbereiten?
Ja, zu einem großen Teil. Noch nie war es so einfach, in kurzer Zeit eine Präsentation zu erstellen. Ein paar Stichworte, ein guter Prompt, und nach wenigen Minuten liegen Gliederung, Text und Folienvorschläge vor.
Genau darin liegt die Falle. Immer mehr Vorträge klingen gleich: korrekt, glatt und schnell vergessen. Denn KI liefert den Durchschnitt dessen, was zu einem Thema schon gesagt wurde. Was ein Publikum überzeugt, ist aber selten der Durchschnitt. Es ist der Mensch, der vorne steht.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Sie KI nutzen. Sie lautet: Wofür nutzen Sie KI, und wofür nicht?
Das Ampel-System: Was Sie an die KI delegieren und was bei Ihnen bleibt
In meinen Trainings arbeite ich mit einem einfachen Ampel-System. Es hilft, bei jedem Vorbereitungsschritt schnell zu entscheiden, wer ihn übernimmt.
Grün: an die KI delegieren
- Recherche und Zusammenfassung: Studien, Berichte oder lange Dokumente auf die wichtigsten Punkte verdichten.
- Struktur und Gliederung: mehrere Varianten für den Aufbau vorschlagen lassen und die beste auswählen.
- Formulierungsvarianten: einen Gedanken auf drei Arten ausdrücken lassen, kürzer, bildhafter, zugespitzter.
- Einwand-Simulation: die KI in die Rolle eines kritischen Vorstands oder skeptischen Kunden schlüpfen lassen.
- Kürzen und Zeitplanung: einen Vortrag von 20 auf 10 Minuten verdichten.
Gelb: gemeinsam mit der KI
- Kernbotschaft: Die KI kann Vorschläge machen. Welcher Satz wirklich Ihrer ist, entscheiden nur Sie.
- Dramaturgie, Einstieg und Schluss: Ideen von der KI, Auswahl und Feinschliff von Ihnen.
- Beispiele und Bilder: Die KI liefert Anregungen. Überzeugend werden Beispiele erst, wenn sie aus Ihrer Praxis stammen.
Rot: bleibt immer bei Ihnen
- Haltung: Wofür stehen Sie mit dieser Präsentation?
- Persönliche Geschichte: Erlebnisse, Fehler, Erkenntnisse. Das, was nur Sie erzählen können.
- Fakten und Verantwortung: Jede Zahl, jedes Zitat, jede Quelle prüfen Sie selbst. KI kann sich irren und tut es auch.
- Der Moment ohne Skript: Fragen, Widerspruch, Unerwartetes. Hier zeigt sich Präsenz.
Warum klingen KI-Präsentationen oft gleich?
KI arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten: Sie setzt einen Text Wort für Wort so fort, wie es nach ihren Trainingsdaten statistisch am wahrscheinlichsten ist. Das Ergebnis ist ein sehr plausibler Text, und damit meist der Durchschnitt dessen, was zu einem Thema schon gesagt wurde.
Dazu kommt: KI schreibt für das Lesen, nicht für das Zuhören. KI-Texte haben lange Sätze, elegante Übergänge und keine Wiederholungen. Auf Papier wirkt das professionell. Gesprochen wirkt es oft steif und schwer zu folgen.
Wer zuhört, braucht etwas anderes: kurze Sätze, klare Wiederholungen, Pausen. Und einen Menschen, der sichtbar hinter seiner Botschaft steht. Ein gut geschriebener Text ist noch lange keine gute Rede.
Mein Tipp: Lesen Sie Ihren KI-Text einmal laut vor. Jede Stelle, an der Sie stolpern, ist eine Stelle, an der Sie Ihr Publikum verlieren könnten.
Wie formuliere ich gute Prompts für meine Präsentation?
Je konkreter Ihr Prompt, desto brauchbarer das Ergebnis. Geben Sie der KI immer drei Dinge mit: Ihr Publikum, Ihr Ziel und Ihren Zeitrahmen. Drei Beispiele, die Sie direkt anpassen können:
- Struktur: „Ich halte eine 10-minütige Präsentation vor der Geschäftsführung. Ziel: Freigabe für ein Budget von 80.000 Euro für ein Digitalisierungsprojekt. Schlage mir drei unterschiedliche Gliederungen vor, jeweils mit einem starken Einstieg.“
- Einwände: „Du bist ein skeptisches Vorstandsmitglied, das Kosten genau prüft. Stelle mir die fünf kritischsten Fragen zu meiner Präsentation.“
- Sprechsprache: „Formuliere diesen Absatz so um, dass er gut zu sprechen ist: kurze Sätze, aktive Verben, keine Schachtelsätze.“
In fünf Schritten zur Präsentation mit KI
- Ziel und Publikum klären, ohne KI: Was sollen die Zuhörenden danach denken, fühlen, tun?
- Recherche und Struktur mit KI: Material verdichten, Gliederungsvarianten vergleichen.
- Kernbotschaft und Beispiele selbst festlegen: ein Satz, der hängen bleibt, und eine Geschichte aus Ihrer Praxis.
- Text in Sprechsprache übersetzen: laut lesen, kürzen, vereinfachen.
- Üben, üben, üben: laut, stehend, mit Zeitnahme. Lassen Sie sich von der KI kritische Fragen stellen.
Fazit: KI ist Co-Pilot, nicht Vortragende:r
KI macht die Vorbereitung schneller, strukturierter und gründlicher. Sie nimmt Ihnen aber nicht den wichtigsten Teil ab: vor Menschen zu stehen und sie zu überzeugen. Nutzen Sie die gewonnene Zeit für das, was keine Maschine kann. Denn Präsenz schlägt Prompt.
Wie Sie KI Schritt für Schritt für Ihre nächste Präsentation einsetzen, zeige ich im Selbstlernkurs „Präsentieren mit Leichtigkeit im KI-Zeitalter“.
Häufige Fragen
Kann KI eine Präsentation komplett vorbereiten?
KI kann Recherche, Gliederung, Formulierungen und Folienentwürfe in kurzer Zeit liefern. Eine überzeugende Präsentation braucht aber eine klare Haltung, eigene Beispiele und eine Person, die vor dem Publikum für ihre Botschaft einsteht. Das kann KI nicht übernehmen.
Welche KI-Tools eignen sich für die Präsentationsvorbereitung?
Für Recherche, Struktur und Formulierung eignen sich Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude, Gemini oder Microsoft Copilot. Für Folien gibt es eigene Tools. Wichtiger als das Tool ist die Frage, wofür Sie es einsetzen und wofür nicht.
Warum klingen KI-Präsentationen oft gleich?
Weil KI für das Lesen schreibt: lange Sätze, glatte Übergänge, wenig Ecken. Wer zuhört, braucht kurze Sätze, Wiederholungen und eine persönliche Note. Ohne Überarbeitung klingen KI-Texte deshalb korrekt, aber austauschbar.
Darf ich in einer Präsentation sagen, dass ich KI verwendet habe?
Ja, und in vielen Fällen ist das sogar empfehlenswert. Entscheidend ist, dass Sie für Inhalte und Fakten die Verantwortung übernehmen und alles geprüft haben. KI ist Co-Pilot, nicht Absender.
Wie viel Zeit spart KI bei der Vorbereitung?
Bei Recherche, Gliederung und ersten Entwürfen spart KI erfahrungsgemäß viel Zeit. Diese Zeit sollten Sie in das investieren, was keine Maschine übernimmt: laut üben, Einstieg und Schluss schärfen und sich auf Fragen vorbereiten.
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