Schlagwortarchiv für: Selbstwirksamkeit

Frauen kommunizieren im Führungsalltag oft zu weich. Nicht weil sie weniger kompetent sind, sondern weil ihnen die Beziehung wichtiger ist als die Wirkung.

Typische sprachliche Muster, die ich in meinen Seminaren und Trainings immer wieder erlebe:

  • „Ich würde vorschlagen …“
  • „Vielleicht könnten wir …“
  • „Ich weiß nicht genau, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist…
  • „Das ist nur eine Idee…“
  • „Ich bin mir nicht ganz sicher, doch …“
  • „Vielleicht wäre es eine Option…“

Diese Weichmacher haben eine Funktion:
Sie sollen Beziehung sichern, Widerstand vermeiden, Anschluss halten. In Führungssituationen untergraben sie Autorität, Klarheit und Entscheidungskraft – selbst dann, wenn Inhalt, Erfahrung und Verantwortung eindeutig sind.

Die Forschung ist hier erstaunlich klar:
Bereits in den 1970er-Jahren beschrieb die Linguistin Robin Lakoff, dass Frauen häufiger sogenannte Hedges, Entschuldigungen und indirekte Formulierungen verwenden – insbesondere in formellen oder hierarchischen Kontexten. Später ergänzte die Kommunikationsforscherin Deborah Tannen diese Perspektive:
Frauen nutzen Sprache stärker zur Beziehungsregulation, Männer stärker zur Status- und Positionsklärung.

➡️ Eine unbequeme Wahrheit:

Aktuelle Studien aus Organisationspsychologie und Leadership-Forschung zeigen:

  • Identische Aussagen werden bei Frauen als weniger durchsetzungsstark bewertet, wenn sie abgeschwächt formuliert sind.
  • Klar formulierte Frauen werden schneller als dominant oder schwierig wahrgenommen.
  • Klar formulierte Männer gelten hingegen als entscheidungsfreudig und führungsstark.

Die Kompetenz ist gleich.
Die Bewertung nicht. Das Problem ist also nicht die Kompetenz, sondern das kommunikative Erwartungssystem.

Ein Schlüssel zum Verständnis liegt im Unterschied zwischen horizontaler und vertikaler Kommunikation.

  • Horizontale Kommunikationist beziehungsorientiert.
    Sie funktioniert auf Augenhöhe, im Team, im Austausch.
    Ziel: Einbindung, Konsens, Verbindung.
  • Vertikale Kommunikationist führungsorientiert.
    Sie klärt Richtung, Verantwortung, Entscheidung.
    Ziel: Orientierung, Verbindlichkeit, Fokus.

Viele Frauen – geprägt durch Sozialisation und Erwartungshaltungen – kommunizieren auch in vertikalen Kontexten horizontal.
Sie wollen mitnehmen, absichern, niemanden übergehen.

Moderne Führung braucht jedoch keine Weichzeichner,
sondern:

  • klare Aussagen statt vorsichtiger Vorschläge
  • Haltung statt Rechtfertigung
  • Präsenz statt Absicherung

Empathie und Klarheit sind kein Widerspruch. Klarheit ist freundlich.
Unklarheit hingegen kostet Vertrauen, Zeit – und Führungskraft.

Was das mit Female Leadership zu tun hat?

Female Leadership bedeutet nicht, männliche Kommunikationsmuster zu kopieren.
Es bedeutet, die eigene Wirkung bewusst zu steuern.

Nicht leiser. Nicht härter. Sondern klarer.

Genau daran arbeiten wir in meinem neuen Seminar Unübersehbar:
an klarer Sprache, innerer Haltung und sichtbarer Präsenz –
für Frauen in Verantwortung, die führen wollen, ohne sich zu verbiegen.

📅 Nächste Termine:  21. Mai 2026 und 02. Juli 2026
Fokus: Female Leadership, Präsenz und Führungskommunikation

👉 Reflexionsfrage

Wo verzichten Sie in Ihrer Führungskommunikation aus Höflichkeit bewusst auf Klarheit?

Sie ist kein Selbstbewusstsein. Keine positive Grundhaltung. Und schon gar keine Motivation auf Knopfdruck.

Selbstwirksamkeit beschreibt etwas anderes, sehr Konkretes: die innere Überzeugung, in anspruchsvollen Situationen wirksam handeln zu können – unter Druck, bei Unsicherheit, mit Verantwortung. Der Psychologe Albert #Bandura beschreibt fünf Quellen, aus denen sich Selbstwirksamkeit speist. Ich nutze dafür gerne ein Bild:

Selbstwirksamkeit ist wie ein See, der sich aus fünf Zuflüssen füllt:

1. Eigene Erfolge – jede bewältigte Herausforderung erhöht den Wasserstand. Wirkung entsteht nicht durch Tempo, sondern durch bewusstes Innehalten nach Erfolgen.

2. Ermutigung durch andere – glaubwürdiges, differenziertes Feedback wirkt wie ein externer Zufluss.

3. Vorbilder – Menschen, die uns inspirieren, erweitern den inneren Möglichkeitsraum.

4. Konstruktiver Umgang mit Misserfolgen – Rückschläge sind kein Leck im System, sondern oft Lernpunkte mit Langzeitwirkung.

5. Imagination der Zielerreichung – iwer sich Wirksamkeit vorstellen kann, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sie auch zu zeigen.

 

Problematisch wird es, wenn Führungskräfte versuchen, Executive Presence zu zeigen, während ihr innerer See leer ist. Dann entsteht Vorsicht statt Klarheit, Absicherung statt Haltung, Erklärung statt Entscheidung.

➡️ Die unbequeme Wahrheit:

Executive Presence ist keine Frage des Auftritts, sondern die konsequente Folge gelebter Selbstwirksamkeit.

Dieser Blog-Beitrag ist auch in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.

Star Star Folgen Sie mir auf LinkedIn für mehr Inspirationen