
Veröffentlicht am 7. Februar 2024 · Überarbeitet am 28. Oktober 2026
Kurz beantwortet
Körpersprache ist die Summe aus Haltung, Gestik, Mimik, Blick und Stimme. Sie entscheidet darüber, ob Ihre Kompetenz wahrgenommen wird. Wirksam ist sie, wenn sie mit Ihren Worten übereinstimmt. Einstudierte Posen dagegen erkennt Ihr Gegenüber schneller, als Ihnen lieb ist.
Kaum ein Thema ist so voll mit Halbwissen wie Körpersprache. Verschränkte Arme bedeuten Ablehnung, wer an die Nase fasst, lügt, und 93 Prozent der Kommunikation seien nonverbal. Nichts davon stimmt in dieser Form. Trotzdem steckt in der Körpersprache ein wahrer Kern, und der ist für Führungskräfte zentral.
Man kann nicht nicht kommunizieren
Der Satz stammt vom österreichischen Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick, formuliert 1967 mit Janet Beavin und Don Jackson in Pragmatics of Human Communication (deutsch: Menschliche Kommunikation). Gemeint ist: Auch wer schweigt, sendet. Wer im Meeting auf das Handy schaut, sagt damit etwas, ohne ein Wort.
Für Führungskräfte ist das unbequem. Ihr Körper spricht in jeder Sitzung mit, auch dann, wenn Sie gerade nicht an der Reihe sind. Ihr Team liest diese Signale genauer, als Sie denken.
Zwei Mythen, die Sie streichen können
Mythos 1: „93 Prozent sind nonverbal.“ Die Zahl geht auf Experimente von Albert Mehrabian (University of California, Los Angeles) aus dem Jahr 1967 zurück. Dort ging es um einzelne Wörter mit widersprüchlichem Gefühlston. Mehrabian selbst hat betont, dass die Formel nicht auf normale Gespräche übertragbar ist. Richtig ist nur der Kern: Wenn Worte und Körper sich widersprechen, glauben wir eher dem Körper.
Mythos 2: „Power Posing verändert Ihre Hormone.“ Eine große Studie unter der Leitung von Eva Ranehill (Universität Zürich, Psychological Science, 2015) fand mit 200 Teilnehmenden keinen Effekt auf Testosteron, Cortisol oder Risikoverhalten. Geblieben ist nur, dass sich Menschen nach einer offenen Haltung mächtiger fühlen. Das ist hilfreich, aber kein Zaubertrick.
Fünf Signale, die Präsenz zeigen
1. Stand und Sitz
Stehen Sie hüftbreit, das Gewicht auf beiden Beinen. Im Sitzen: beide Füße am Boden, der Rücken an der Lehne, die Hände sichtbar auf dem Tisch. Wer stabil steht oder sitzt, wirkt nicht getrieben.
2. Raum einnehmen
Präsenz zeigt sich darin, wie viel Raum Sie beanspruchen. Unterlagen ausbreiten, Gesten über Schulterbreite, ein fester Platz am Tisch. Wer sich klein macht, wird kleiner wahrgenommen. Das gilt besonders für Frauen in Führung, die oft gelernt haben, wenig Raum zu beanspruchen.
3. Blick halten
Halten Sie den Blick bis zum Ende Ihres Satzes. Viele Menschen schauen genau dann weg, wenn sie das Wichtigste sagen. In der Gruppe: einen Gedanken pro Person, dann zur nächsten.
4. Ruhige Hände
Gesten unterstreichen, sie ersetzen nichts. Ideal sind Gesten auf Bauchnabelhöhe mit offenen Handflächen. Spielen mit Stift, Ring oder Brille zieht die Aufmerksamkeit von Ihrer Botschaft ab.
5. Die Stimme gehört dazu
Die Stimme ist Teil der Körpersprache. Eine Stimme, die am Satzende nach oben geht, macht jede Aussage zur Frage. Senken Sie die Stimme am Ende einer Kernaussage und machen Sie eine Pause.
Kongruenz schlägt Technik
Der wichtigste Grundsatz ist Übereinstimmung. Ihr Körper muss zu dem passen, was Sie sagen und meinen. Einstudierte Gesten, die nicht zu Ihnen gehören, wirken künstlich. Deshalb beginnt gute Körpersprache bei der Haltung im doppelten Sinn: bei der inneren Klarheit, was Sie wollen.
In der PARIS-Methode steht Körpersprache für zwei Buchstaben: P Präsenz und A Authentizität. Die PARIS-Methode steht für P Präsenz, A Authentizität, R Relevanz, I Information & Interaktion, S Souveränität. Mehr dazu im Beitrag Was ist Präsenz? Wie Sie Ihre eigene Wirkung sehen, lesen Sie unter Video-Analyse im Training.
Fazit
Körpersprache ist kein Trickkasten. Sie ist der sichtbare Teil Ihrer Haltung. Wer stabil steht, Blick hält und Raum einnimmt, macht seine Kompetenz sichtbar. Wer Posen einstudiert, riskiert das Gegenteil.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent der Kommunikation ist Körpersprache?
Die oft zitierten 93 Prozent sind ein Mythos. Sie beruhen auf Experimenten von Albert Mehrabian mit einzelnen Wörtern und gelten nicht für normale Gespräche. Belegt ist: Bei Widersprüchen zwischen Wort und Körper glauben wir eher dem Körper.
Kann man Körpersprache lernen?
Ja. Am wirksamsten mit Video-Feedback, weil Sie dabei sehen, was andere sehen. Entscheidend ist, dass die neuen Signale zu Ihnen passen.
Was bedeuten verschränkte Arme?
Nicht zwingend Ablehnung. Oft ist es Bequemlichkeit oder Kälte. Körpersprache lässt sich nur im Zusammenhang deuten, nie an einem einzelnen Signal.
Quellen
Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1967). Pragmatics of Human Communication. New York: Norton. Deutsch: Menschliche Kommunikation, Bern: Huber.
Mehrabian, A. & Wiener, M. (1967). Decoding of inconsistent communications. Journal of Personality and Social Psychology, 6(1), 109–114.
Ranehill, E. et al. (2015). Assessing the Robustness of Power Posing. Psychological Science, 26(5), 653–656.
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