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Meetings scheitern nicht an Menschen. Sie scheitern an fehlender Führung im Raum: Eine unbequeme Wahrheit.
Und Führung im Raum heißt: Struktur, Klarheit, Entscheidung und echte Teilhabe.

Was ich seit Jahren in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen erlebe:

▪️ Meetings ohne Agenda oder klare Verantwortlichkeiten
▪️ Meetings ohne Ziel
▪️ Meetings, in denen eine Person endlos redet
▪️ Meetings, in denen Entscheidungen vertagt statt getroffen werden
▪️ Meetings, in denen Alphatiere dominieren – und die leisen Expert:innen schweigen
▪️ Meetings, in denen kreative Ideen reflexartig niedergeschlagen werden

Alle sind anwesend. Alle sind beschäftigt. Und dennoch gibt es kein Ergebnis.                    Was dabei oft verwechselt wird:
– Lautstärke ersetzt keine Kompetenz.
– Reden ist keine Entscheidung.
– Anwesenheit ist kein Beitrag.

➡️ Eine unbequeme Wahrheit:

Ein Meeting ohne Struktur ist kein Arbeitsinstrument – es ist ein soziales Ritual. Wenn Meetings nicht geführt, sondern nur abgehalten werden, laufen Sie ins Leere. Sie binden Zeit und verbrauchen Energie. Sie kosten Geld und sie ie erzeugen keinen Mehrwert. Die Folge sind Frustration, Stillstand, leere Kilometer.

6 Gründe, warum Meetings wirkungslos bleiben

  1. Keine Agenda – keine Orientierung

Ein Meeting ohne Agenda ist wie ein Schiff ohne Kompass: alle wirken beschäftigt, aber niemand steuert auf ein klares Ziel zu. Studien zeigen klar: Meetings ohne Agenda dauern länger, sind ineffizienter und führen seltener zu Ergebnissen.
Ist das Ziel vorab nicht definiert, ist das Ergebnis Zufall – und häufig Frust.

  1. Die Ein-Personen-Show statt Dialog

Sie kennen das: Eine Person dominiert, denkt laut, kreist um Probleme – und blockiert Raum und Zeit. Das Team wird zur passiven Zuhörerschaft Leise Expert:innen ziehen sich zurück, Perspektiven gehen verloren, Austausch findet nicht statt. Vielreden ersetzt keine Führung.

  1. Entscheidungen werden vertagt

Es wird diskutiert, reflektiert, abgewogen – doch entschieden wird selten.
Warum?

  • Verantwortlichkeiten sind unklar.
  • Erwartungen an Ergebnisse wurden nie definiert.
  • Informationslücken dienen als Vorwand
  • Angst vor Fehlentscheidungen lähmt
  1. Alphatiere dominieren, Expertise verstummt

Wer am lautesten spricht, prägt den Raum, hat aber nicht automatisch den relevantesten Beitrag.

Die Konsequenzen:

  • Fachexpertise bleibt unausgesprochen.
  • Subtile, aber entscheidende Hinweise gehen verloren.
  • Gruppendruck verstärkt Dominanzstrukturen.
  1. Ideen werden erstickt, bevor sie wachsen

Das kreative Potenzial einer Gruppe wird oft im Keim erstickt. Durch Sätze wie:

  • „Das haben wir schon immer so gemacht.“
  • „Zu riskant.“
  • „Nicht relevant.“
  • „Das bringt doch alles nichts.“

Innovation scheitert selten an Ideen.
Sie scheitert an Haltung.

  1. Kein Ziel, keine Verantwortlichkeit

Wenn niemand weiß, wohin die Reise gehen soll und wer was bis wann macht, dann bleibt jedes Meeting ein Zusammentreffen ohne Wirkung. Ein Meeting ohne Ziel ist eine Einladung zur Zeitverschwendung.

Warum professionelle Moderation den Unterschied macht

Gute Meetings entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis bewusster Führung – und häufig professioneller Moderation. Meine Erfahrung aus der Praxis:
Dort, wo Meetings gut moderiert sind, steigt nicht nur die Effizienz –
sondern auch Vertrauen, Beteiligung und Verantwortung. Denn:

Moderation schafft Struktur und Fokus

  • Klare Ziele
  • Saubere Agenda
  • Zeitmanagement
  • Entscheidungslogik

Moderation ermöglicht echte Teilhabe

  • Leise Stimmen werden gehört
  • Ideen werden weiterentwickelt statt abgeschmettert
  • Konflikte werden produktiv bearbeitet

Moderation schafft Verbindlichkeit

  • Entscheidungen werden festgehalten
  • Nächste Schritte klar definiert
  • Verantwortlichkeiten benannt

👉 Reflexionsfrage:
Wie viele Meetings in Ihrem Unternehmen wären überflüssig – wenn Führung im Raum wirklich stattfinden würde?

Dieser Blog-Beitrag ist in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.

Frauen kommunizieren im Führungsalltag oft zu weich. Nicht weil sie weniger kompetent sind, sondern weil ihnen die Beziehung wichtiger ist als die Wirkung.

Typische sprachliche Muster, die ich in meinen Seminaren und Trainings immer wieder erlebe:

  • „Ich würde vorschlagen …“
  • „Vielleicht könnten wir …“
  • „Ich weiß nicht genau, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist…
  • „Das ist nur eine Idee…“
  • „Ich bin mir nicht ganz sicher, doch …“
  • „Vielleicht wäre es eine Option…“

Diese Weichmacher haben eine Funktion:
Sie sollen Beziehung sichern, Widerstand vermeiden, Anschluss halten. In Führungssituationen untergraben sie Autorität, Klarheit und Entscheidungskraft – selbst dann, wenn Inhalt, Erfahrung und Verantwortung eindeutig sind.

Die Forschung ist hier erstaunlich klar:
Bereits in den 1970er-Jahren beschrieb die Linguistin Robin Lakoff, dass Frauen häufiger sogenannte Hedges, Entschuldigungen und indirekte Formulierungen verwenden – insbesondere in formellen oder hierarchischen Kontexten. Später ergänzte die Kommunikationsforscherin Deborah Tannen diese Perspektive:
Frauen nutzen Sprache stärker zur Beziehungsregulation, Männer stärker zur Status- und Positionsklärung.

➡️ Eine unbequeme Wahrheit:

Aktuelle Studien aus Organisationspsychologie und Leadership-Forschung zeigen:

  • Identische Aussagen werden bei Frauen als weniger durchsetzungsstark bewertet, wenn sie abgeschwächt formuliert sind.
  • Klar formulierte Frauen werden schneller als dominant oder schwierig wahrgenommen.
  • Klar formulierte Männer gelten hingegen als entscheidungsfreudig und führungsstark.

Die Kompetenz ist gleich.
Die Bewertung nicht. Das Problem ist also nicht die Kompetenz, sondern das kommunikative Erwartungssystem.

Ein Schlüssel zum Verständnis liegt im Unterschied zwischen horizontaler und vertikaler Kommunikation.

  • Horizontale Kommunikationist beziehungsorientiert.
    Sie funktioniert auf Augenhöhe, im Team, im Austausch.
    Ziel: Einbindung, Konsens, Verbindung.
  • Vertikale Kommunikationist führungsorientiert.
    Sie klärt Richtung, Verantwortung, Entscheidung.
    Ziel: Orientierung, Verbindlichkeit, Fokus.

Viele Frauen – geprägt durch Sozialisation und Erwartungshaltungen – kommunizieren auch in vertikalen Kontexten horizontal.
Sie wollen mitnehmen, absichern, niemanden übergehen.

Moderne Führung braucht jedoch keine Weichzeichner,
sondern:

  • klare Aussagen statt vorsichtiger Vorschläge
  • Haltung statt Rechtfertigung
  • Präsenz statt Absicherung

Empathie und Klarheit sind kein Widerspruch. Klarheit ist freundlich.
Unklarheit hingegen kostet Vertrauen, Zeit – und Führungskraft.

Was das mit Female Leadership zu tun hat?

Female Leadership bedeutet nicht, männliche Kommunikationsmuster zu kopieren.
Es bedeutet, die eigene Wirkung bewusst zu steuern.

Nicht leiser. Nicht härter. Sondern klarer.

Genau daran arbeiten wir in meinem neuen Seminar Unübersehbar:
an klarer Sprache, innerer Haltung und sichtbarer Präsenz –
für Frauen in Verantwortung, die führen wollen, ohne sich zu verbiegen.

📅 Nächste Termine:  21. Mai 2026 und 02. Juli 2026
Fokus: Female Leadership, Präsenz und Führungskommunikation

👉 Reflexionsfrage

Wo verzichten Sie in Ihrer Führungskommunikation aus Höflichkeit bewusst auf Klarheit?

 

Viele Menschen verwechseln Durchsetzungsstärke mit Härte.
Und Einfluss mit Manipulation.

Die Forschung widerspricht.

Im Buch Der Dunkle Faktor von Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen und Ingo Zettler beschreiben die Autoren den sogenannten D-Faktor als gemeinsame Wurzel dunkler Persönlichkeitsmerkmale:
Egoismus, moralische Distanzierung, Machiavellismus, bewusste Inkaufnahme von Schäden für andere – zum eigenen Vorteil.

Kurz gesagt:
Ein hoher D-Faktor bedeutet nicht Stärke.
Er bedeutet geringe innere Hemmung.

Und genau hier liegt die unbequeme Wahrheit:

Leader mit hohem D-Faktor wirken kurzfristig durchsetzungsfähig –
langfristig verlieren sie Vertrauen, Loyalität und Wirkung.

Executive Presence entsteht nicht durch Dominanz.
Sondern durch innere Klarheit, Haltung und ethische Souveränität.

Studien zeigen:
Führungspersönlichkeiten mit niedrigem bis moderatem D-Faktor werden als
– glaubwürdiger
– vertrauenswürdiger
– kooperativer
– und langfristig wirksamer wahrgenommen.

Warum?

Weil Executive Presence mehr ist als das Durchsetzen eigener Interessen.
Sie zeigt sich darin,

  • Einfluss zu nehmen, ohne zu manipulieren
  • klar zu führen, ohne zu beschädigen
  • Macht zu verstehen, ohne sie zu missbrauchen

Charme, Timing, Framing, kommunikative Intelligenz –
das ist Persuasion, nicht dunkle Manipulation.

Oder anders gesagt:

Präsenz ohne Haltung ist nur Lautstärke.
Präsenz mit Haltung ist Führung.

Reflexionsfrage:
👉 Wo in Ihrem Führungsalltag setzen Sie heute mehr auf Wirkung – und wo bewusst auf Haltung?

Dieser Blog-Beitrag ist in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.

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Führung beginnt nicht mit der richtigen Antwort.
Sondern mit der richtigen Frage.

Viele Führungskräfte reden gerne.
Über Strategien. Über Ergebnisse. Über sich selbst..

Was sie deutlich seltener tun: zuhören.
Und noch seltener: gute Fragen stellen.

Nicht aus Zeitmangel.
Sondern wegen eines stillen Denkfehlers, der mit Verantwortung wächst:
Als Führungskraft muss ich Antworten liefern.

Genau hier beginnt das Problem.

Denn Leadership entsteht nicht durch kluge Statements.
Sondern durch echtes Interesse.

Der Leadership-Experte Michael Bungay Stanier zeigt in The Coaching Habit klar:
Führungskräfte, die weniger erklären und mehr fragen,
fördern Selbstständigkeit, Klarheit und echtes Commitment im Team.

➡️ Die unbequeme Wahrheit:
Wer ständig spricht, lenkt.
Wer fragt, bekommt Wahrheit.
Wer fragt, führt.

Ohne Fragen gibt es kein echtes Verstehen, kein Lernen, kein Miteinander auf Augenhöhe.

Starke Leader stellen Fragen
– bevor sie bewerten
– bevor sie entscheiden
– bevor sie erklären

Nicht, um klug zu wirken, sondern um wirklich zu verstehen und um Ihre Führungskompetenz zu stärken!

👉 Reflexionsfrage zum Mitnehmen:
Wann haben Sie zuletzt eine Frage gestellt, ohne bereits eine Antwort im Kopf zu haben?

 

Dieser Blog-Beitrag ist in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.

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Selbstwirksamkeit wird oft missverstanden.

Sie ist kein Selbstbewusstsein. Keine positive Grundhaltung. Und schon gar keine Motivation auf Knopfdruck.

Selbstwirksamkeit beschreibt etwas anderes, sehr Konkretes: die innere Überzeugung, in anspruchsvollen Situationen wirksam handeln zu können – unter Druck, bei Unsicherheit, mit Verantwortung. Der Psychologe Albert #Bandura beschreibt fünf Quellen, aus denen sich Selbstwirksamkeit speist. Ich nutze dafür gerne ein Bild:

Selbstwirksamkeit ist wie ein See, der sich aus fünf Zuflüssen füllt:

1. Eigene Erfolge – jede bewältigte Herausforderung erhöht den Wasserstand. Wirkung entsteht nicht durch Tempo, sondern durch bewusstes Innehalten nach Erfolgen.

2. Ermutigung durch andere – glaubwürdiges, differenziertes Feedback wirkt wie ein externer Zufluss.

3. Vorbilder – Menschen, die uns inspirieren, erweitern den inneren Möglichkeitsraum.

4. Konstruktiver Umgang mit Misserfolgen – Rückschläge sind kein Leck im System, sondern oft Lernpunkte mit Langzeitwirkung.

5. Imagination der Zielerreichung – iwer sich Wirksamkeit vorstellen kann, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sie auch zu zeigen.

 

Problematisch wird es, wenn Führungskräfte versuchen, Executive Presence zu zeigen, während ihr innerer See leer ist. Dann entsteht Vorsicht statt Klarheit, Absicherung statt Haltung, Erklärung statt Entscheidung.

➡️ Die unbequeme Wahrheit:

Executive Presence ist keine Frage des Auftritts, sondern die konsequente Folge gelebter Selbstwirksamkeit.

Dieser Blog-Beitrag ist in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.