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Veröffentlicht am 15. September 2025 · Überarbeitet am 28. Oktober 2026

Kurz beantwortet

Die 7 A des Auftretens sind ein Ablauf für die kritischen Momente rund um einen Auftritt: Aktivierung, Aufrichten, Auftreten, Ankommen, Atmen, Anfangen, Applaus genießen. Fünf davon passieren, bevor Sie das erste Wort sagen. Genau dort entscheidet sich, ob Sie souverän wirken.

Die meisten Menschen bereiten ihre Inhalte gründlich vor und ihren Auftritt gar nicht. Sie feilen an Folie 14 und betreten dann den Raum, als würden sie Kaffee holen. Das Publikum hat sich bis dahin längst ein Bild gemacht.

Die 7 A schließen diese Lücke. Sie sind kein Ritual für Bühnenprofis. Sie funktionieren im Vorstandsmeeting genauso wie bei der Keynote vor 500 Menschen.

Warum die Minute vor dem ersten Satz zählt

Unter Druck reagiert der Körper schneller als der Kopf. Puls und Atemfrequenz steigen, die Stimme wird höher, der Atem flacher. Gegen diese Reaktion helfen keine guten Vorsätze. Was hilft, ist ein körperlicher Hebel.

Der wirksamste ist die Atmung. Andrea Zaccaro und sein Team an der Universität Pisa haben 2018 in Frontiers in Human Neuroscience systematisch ausgewertet, was langsames Atmen mit unter zehn Atemzügen pro Minute bewirkt. Das Ergebnis: höhere Herzratenvariabilität, mehr Aktivität des Parasympathikus und weniger Anspannung, Angst und Ärger. Langsames Atmen ist also messbar ein Werkzeug zur Selbstregulation.

Vorsicht ist dagegen bei der Körperhaltung geboten. Die viel zitierte Behauptung, zwei Minuten „Power Posing“ würden Testosteron erhöhen und Stresshormone senken, hat einer großen Überprüfung nicht standgehalten. Eva Ranehill (Universität Zürich) fand 2015 in Psychological Science mit 200 Teilnehmenden keinen Effekt auf Hormone oder Verhalten. Was blieb: Die Menschen fühlten sich mächtiger. Aufrechte Haltung verändert also Ihr Erleben. Ein Hormon-Trick ist sie nicht.

Die 7 A im Überblick

1. Aktivierung

Bringen Sie Ihren Körper vorher auf Betriebstemperatur. Ein paar Schritte, Schultern lockern, die Stimme mit einem halblauten Satz anwärmen. Wer kalt startet, braucht die ersten drei Minuten zum Warmwerden. Diese Zeit hat Ihr Publikum nicht.

2. Aufrichten

Stellen Sie sich hüftbreit hin, das Gewicht auf beiden Beinen, die Knie locker. Diese Haltung gibt Ihnen Stabilität und Ihrer Stimme Raum. Sie ist kein Trick, um Hormone zu verändern. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Atem und Stimme funktionieren.

3. Auftreten

Der Weg zum Pult gehört zum Vortrag. Gehen Sie ruhig, ohne Eile, mit Blick in den Raum. Kleidung, Mimik und Gang sollten zu Ihnen und zum Anlass passen. Verkleidung wirkt immer nach Unsicherheit.

4. Ankommen

Bevor Sie sprechen: stehen bleiben, den Raum überblicken, drei Menschen ansehen. Zwei Sekunden Stille wirken auf Sie lang, auf das Publikum souverän. Wer sofort losredet, signalisiert, dass er den Moment hinter sich bringen will.

5. Atmen

Einmal langsam ein, länger aus. Die verlängerte Ausatmung ist der Teil, der beruhigt. Danach sitzt der erste Satz auf dem Atem statt auf der Nervosität.

6. Anfangen

Der erste Satz ist der wichtigste Ihres Auftritts. Lernen Sie ihn auswendig. Verzichten Sie auf Dank, Entschuldigungen und „Ich darf Ihnen heute …“. Beginnen Sie mit einer These, einer Zahl oder einer Frage. Anregungen dazu finden Sie im Beitrag 10 gelungene Einstiege in Präsentationen.

7. Applaus genießen

Der Schluss gehört Ihnen, bis Sie den Raum verlassen. Bleiben Sie stehen, halten Sie Blickkontakt, nehmen Sie den Applaus an. Wer beim letzten Wort schon die Unterlagen einsammelt, entwertet seinen eigenen Auftritt.

Die 7 A und die PARIS-Methode

Die 7 A trainieren vor allem zwei Buchstaben der PARIS-Methode: P Präsenz und S Souveränität. Präsenz entsteht beim Ankommen, Souveränität beim Atmen und Anfangen. Die PARIS-Methode steht für P Präsenz, A Authentizität, R Relevanz, I Information & Interaktion, S Souveränität. Mehr dazu im Beitrag Was ist Präsenz?

Fazit

Ein souveräner Auftritt beginnt, bevor Sie sprechen. Die 7 A geben Ihnen für diese Minute einen klaren Ablauf. Üben Sie ihn so lange, bis er Routine ist, dann trägt er Sie auch dann, wenn die Nervosität steigt.

Häufige Fragen

Was sind die 7 A des Auftretens?

Ein Ablauf für den Auftritt: Aktivierung, Aufrichten, Auftreten, Ankommen, Atmen, Anfangen, Applaus genießen. Er strukturiert die Momente vor, während und nach dem ersten Satz.

Helfen Power Posen gegen Lampenfieber?

Sie können das Gefühl von Stärke kurzfristig steigern. Hormonelle Effekte konnte eine große Studie der Universität Zürich (Ranehill et al., 2015) nicht bestätigen. Wirksamer gegen Nervosität ist langsames Atmen.

Wie lange dauert das Ankommen?

Zwei bis drei Sekunden reichen. Entscheidend ist, dass Sie stehen, schauen und erst dann sprechen.

Quellen
Zaccaro, A., Piarulli, A., Laurino, M., Garbella, E., Menicucci, D., Neri, B. & Gemignani, A. (2018). How Breath-Control Can Change Your Life: A Systematic Review on Psycho-Physiological Correlates of Slow Breathing. Frontiers in Human Neuroscience, 12, 353.
Ranehill, E., Dreber, A., Johannesson, M., Leiberg, S., Sul, S. & Weber, R. A. (2015). Assessing the Robustness of Power Posing: No Effect on Hormones and Risk Tolerance in a Large Sample of Men and Women. Psychological Science, 26(5), 653–656.


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