
Vergangene Woche erzählte mir ein Teilnehmer in einem Führungskräfte Seminar, dass er beschäftige sich gerade intensiv mit dem Thema Wertschätzung. Er sei nämlich überzeugt, dass er sich gegenüber seinem Team wertschätzend verhält. Ein Mitarbeiter habe ihm aber ganz offen gesagt, dass genau das Gegenteil der Fall sei. Daraufhin fragte ich ihn, wie er im täglichen Business Wertschätzung ausdrückt. Die Antworten kamen schnell:
„Ich sage Danke.“
„Ich lobe gute Leistungen.“
„Ich sage, wenn etwas super war.“
Das klingt gut. Ist aber nich ausreichend! Denn in vielen Unternehmen erlebe ich, dass Mitarbeitende zwar „Lob“ bekommen, sich dennoch aber nicht gesehen fühlen.
Warum?
Weil Wertschätzung mehr ist als positives Feedback.
Sie ist eine Haltung. Und sie zeigt sich im Verhalten.
Die Forschung zeigt, dass Wertschätzung deutlich tiefer wirkt. Der US Organisationspsychologe Adam Grant beschreibt in seinen Studien, dass Anerkennung dann besonders wirksam ist, wenn sie konkret den Beitrag zur Gesamtleistung sichtbar macht. Menschen engagieren sich stärker, wenn sie verstehen, welchen Unterschied sie bewirken. Das bedeutet für mich übersetzt: Als Führungskraft muss ich meinen Mitarbeiter:innen auch immer wieder das Warum ihrer Tätigkeit vor Augen führen.
Auch die amerikanische Havard Professorin Amy Edmondson zeigt in ihrer Forschung zur psychologischen Sicherheit: Leistungsfähige Teams entstehen dort, wo Menschen erleben, dass ihre Perspektive zählt. Psychologische Sicherheit – also gehört und ernst genommen zu werden – ist ein zentraler Treiber für Innovation und Verantwortung.
Wertschätzung ist daher keine freundliche Geste.
Sie ist Führungsarbeit.
In meinen Führungskräfte Trainings spreche ich gerne von den Z‘s der Wertschätzung:
Zeit: Nehmen Sie sich wirklich Zeit für ein Gespräch mit den Mitarbeitenden, ohne Handy, ohne auf die Uhr zu schauen, weil sie längst im nächsten Termin sein sollten. Präsenz ist ein wichtiges Signal.
Zuhören: Hören Sie zu, was Ihre MitarbeiterInnen zu sagen haben, welche Anliegen und Ideen sie haben. Zuhören bedeutet echtes Interesse zeigen und verstehen wollen – statt nur zu reagieren. Hinzu kommt: Fragen Sie Ihre MitarbeiterInnen auch einmal um Rat. Führung heißt nicht, alles zu wissen. Sondern Expertise sichtbar einzubinden.
Zelebrieren: Und last but not least gehört es im stressigen Alltag auch einmal dazu, innezuhalten mit dem Team und Erfolge zu feiern. Die Arbeitswelt ist kein ständiger Langstreckenlauf, sondern Wertschätzung für gute Arbeit zeigt sich vor allem auch, in dem man Fortschritte oder erreichte Ziele bewusst würdigt statt sofort die nächste To-Do-Liste auszuhändigen.
Das alles braucht Präsenz. Klarheit. Und innere Haltung.
Und hier kommt sie – die unbequeme Wahrheit:
➡️ Viele Führungskräfte verwechseln Höflichkeit mit Wertschätzung.
Ein „Danke“ ist nett.
Aber es ersetzt keine Beziehung. Wertschätzung zeigt sich im täglichen Verhalten, n den kleinen, konsequenten Signalen von Respekt und Bedeutung.
Die Frage ist daher nicht:
„Wie oft lobe ich?“
👉 Sondern, und das ist auch gleichzeitig meine Reflexionsfrage für Sie:
Woran würde Ihr Team morgen konkret merken, dass Sie es nicht nur führen – sondern wirklich wertschätzend agieren?
Dieser Blog-Beitrag ist in meiner Linkedin Serie Eine unbequeme Wahrheit erschienen.





